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Pygmalion-Effekt: Wie Sie die Gefahr bannen, Azubis falsch einzuschätzen, zu demotivieren und ungerecht zu bewerten

Der Pygmalion-Effekt zeigt: Was Ausbilder ihren Azubis zutrauen, beeinflusst deren Leistung. Wer fair einschätzt, Stärken fördert und passende Aufgaben überträgt, stärkt Motivation und Selbstvertrauen.

Martin Glania

31.07.2026 · 7 Min Lesezeit

Demnächst ist es wieder so weit: Sie erleben Ihre neuen Azubis von Beginn an. Und ob Sie wollen oder nicht: Sie bilden sich zumindest unbewusst schon mal ein Urteil. Da Sie dieses Urteil zu früh fällen, können wir hier von einem Vorurteil sprechen. Niemand möchte das, aber es passiert. Ist das erste Kennenlernen oder sind die ersten Tage vorbei, dann trauen Sie Ihren Auszubildenden unterschiedlich viel zu. Oder Sie tun das bereits, ohne die Azubis zu kennen, beispielsweise weil Sie etwas gehört haben, etwa über das Umfeld oder die Familie. Und was hat das jetzt mit dem Pygmalion-Effekt zu tun?

Ich möchte das sehr eindeutig beantworten: Einem Auszubildenden, dem Sie viel zutrauen, der wird am Ende auch tendenziell viel leisten. Ein Azubi, dem Sie wenig zutrauen, leistet auch weniger. Das ist keine vage These, sondern wissenschaftlich nachgewiesen. Besonders erschreckend: Das Ganze gilt unabhängig von der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Wir können hier von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung sprechen. Und schon sind wir sehr nah am Pygmalion-Effekt.

Pygmalion-Effekt – was ist das eigentlich?

Der Pygmalion-Effekt besagt, dass die Erwartungen einer Person das Verhalten oder die Leistungen einer anderen Person beeinflussen kann. Die eine Person mit den Erwartungen sind Sie als Ausbilder. Die andere Person, die ihr Verhalten und ihre Leistung anpasst, das ist Ihr Azubi. Das bedeutet, dass Auszubildende, denen Sie viel zutrauen, tendenziell über sich hinauswachsen werden. Sie spüren, dass Ihr Vertrauen besteht, das motiviert und veranlasst zu Leistungen. Haben Sie als Ausbilder auf der anderen Seite Bedenken, dass ein Azubi eine bestimmte Arbeit verrichten kann, trifft der gegenteilige Effekt ein. Hier wird auch vom sogenannten Golem-Effekt gesprochen.

Pygmalion und Golem – von Mythen umrankt

Die Namen dieser Effekte entstammen verschiedenen Mythologien. Der Pygmalion-Effekt geht auf die griechische Mythologie zurück. Er wurde nach einem Bildhauer benannt, der eine Frauenstatue erschuf, in die er sich verliebte und die nach seinen Bitten an die Götter zum Leben erweckt wurde. So wurden die positiven Erwartungen des Pygmalion-Effekts tatsächlich Realität. Der Golem-Effekt hat einen jüdischen Ursprung und geht auf die sogenannte Legende des Golem zurück. Dabei ist Golem ebenfalls ein künstliches Objekt, das aus Lehm bestand, keinen Verstand hatte und zum Leben erweckt wurde. Dies hatte negative Folgen: Der Golem geriet außer Kontrolle und wurde wieder zum Wesen aus Lehm. Unter dem Strich besagt der Pygmalion-Effekt, dass hohe Erwartungen positive Auswirkungen haben, der Golem-Effekt sagt hingegen schwächere Leistungen bei niedrigen Erwartungen voraus. Im Folgenden des Artikels nutzen wir den Begriff Pygmalion als Oberbegriff für beide Effekte.

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